Die Laus

Auf eines kleinen Kindes Kopf
haust eine Laus im braunen Zopf.

Sie fühlt sich keck, denn ihr Versteck
erfüllt aufs Beste seinen Zweck.
Es wahrhaftig wohlig warm,
versprüht den haarig-herben Charme,
den eine Laus zum Leben braucht,
wenn sie durch ihren Dschungel kraucht.

Doch eines Tages ist ihr öd.
„Ach“, denkt die Laus, „wie ist es blöd,
dass ich hier gar nichts sehen kann …
Ich schau mir mal den Gipfel an!“
So klettert sie aus ihrem Zopf
und auf den Scheitelpunkt vom Kopf,
durch ihren Garten glänzend-braun,
um sich um sich rum umzuschaun.
„Ist das nicht,“ ruft sie, „zum Schlüpfen?!
Nichts zu seh´n … Ich muss wohl hüpfen!“
Furchtlos springt sie in die Höhe.
Großer Fehler – wehe, wehe!
Oh, dieser Sprung von Tochters Schopf
erspäht vom Aug in Mutters Kopf,
zieht nunmehr das Verderben an
denn Nissenkamm samt Shampoo nah´n.
Noch lacht sie lustig. Arme Laus …
Denn gleich, ja gleich, ist´s mit ihr aus:
Schon folgt die ätzend-ekle Flut,
sie raubt ihr Saft und Kraft und Mut,
auf dass die Laus in Ohnmacht fällt.
Ade, du lausig-schnöde Welt!
Zum Schluss der Nissenkamm erfasst
die Laus samt ihrer Eierlast.
Aus die Laus! Mit Saus und Braus
begann´s und endete mit Graus.

Nun hängt ein lauslos-brauner Zopf
an eines kleinen Kindes Kopf.

Katrin Kutsche (März 2009)
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