Ein Schneemann am Nordpol

Ein Adventskalender in Reimform.

1 …
Ein Forschungsschiff im blauen Meer,
es segelt schnell von Schweden her,
nach Grönland hin zu Forschungszwecken –
vieles gibt’s dort zu entdecken.
„Polarstern“ heißt es, stolz und kühn
fliegt es durch blaue Gischt dahin.
Es trotzt Kälte, Eis und Schnee
und einem Sturm auf wilder See.

2 …
Nach der gefährlich-dunklen Nacht
auf hohen Schnee die Sonne lacht.
Doch die Matrosen auf dem Deck
fegen all den Schnee nicht weg.
Sie beschließen unter Lachen
einen Schneeman draus zu machen.
Glücklich sie nun häufen, wühlen
und sich fast wie Kinder fühlen.

3 …
Schon glitzert er im Sonnenlicht,
mit Kohlenaugen im Gesicht.
„Mir ist der Ärmste noch zu kahl.
Ich schenk ihm meinen grünen Schal.“,
ruft einer lachend und fügt an:
„Hey Smutje – schaff ´ne Möhre ran!“
Und flugs hat er zur selben Stund,
des Käpt´ns Pfeife gar im Mund.

4 …
Es lacht die Crew, doch plötzlich grollt
der Käpt´n: „Hier wird rumgetollt?!
Meine Pfeife!“ Die Stirn gerunzelt
meint er: „Ich tauf ihn selbst!“ und schmunzelt.
„Hiermit nenne ich dich Ole!“
„Stop! – Es fehlt die Kasserole!“,
der Smutje ruft und setzt den Topf,
feierlich auf Ole´s Kopft.

5 …
Danach ertönt´s: „Vorbei das Spiel!
Jungens, wir sind bald am Ziel!
Macht alles fertig – Jungens, los!“
und plötzlich wird die Hektik groß.
Schreien, Rennen … bis sodann
das Schiff legt an der Küste an.
Nach einer Weile wird ganz sacht
auch Ole hier an Land gebracht.

6 …
Auf einem Hügel muss er bleiben,
bis bald schon all das bunte Treiben
endet, denn das Schiff fährt weg.
„Ade!“ schallt´s leise noch von Deck.
Da steht er nun, allein im Dunkeln,
hoch über ihm die Sterne funkeln:
Doch leises Flattern in der Nacht,
hört Ole, als er nun erwacht.

7 …
Schon macht es „Klonk!“ aus seinem Kopf,
Ein Eissturmvogel hat den Topf
entdeckt und zwitschert laut ihm zu:
„Aufgewacht! Hey, Schneemann! Du!“
„Wo bin ich hier? Was ist denn los?“,
ruft Ole, denn die Welt ist groß.
„Die Arktis ist das, siehst du´s nicht?
„Wie denn auch?! – Hier gibt’s kaum Licht!“

8 …
„Ich bin Pietri – du bist Ole! …
Deine Augen sind aus Kohle? …“,
der kleine Vogel munter schwätzt
und sich auf Ole´s Schulter setzt.
„Der Nordpol ist nun dein Zuhaus´“,
meint er, „Also? Wie sieht´s aus?
Sag doch was! Hey! Bist du stumm?!“
„Schon gut!“, ruft Ole, „Führ mich rum!“

9 …
Weg von der Küste wandern sie,
richtig hell wird es zwar nie,
doch als der kurze Tag anbricht …
„Sieh doch mal da, das kenn ich nicht!“,
ruft Ole laut und zeigt noch oben,
wo zwei weiße Tiere toben.
„Eisbärkinder – Ben und Nette!“,
erklärt ihm Pietri. „Jede Wette!“

10 …
„Was sind Eisbär´n? Was tun die da?“,
fragt Ole, denn es schallt „Hurraaaaaaaaa!“
laut vom Hügel und ganz munter
rutschen beide dort herunter.
„Lustig! Schön! – Kann ich das auch?“,
Ole fragt und auf dem Bauch
versucht er ebenfalls sein Glück.
Doch oh weh – er rutscht kein Stück!

11 …
„Ach – das geht nicht …“, seufzt er traurig.
„Einen Schlitten“, tönt es schaurig,
„brauchst du, dann ist das nicht schwer.“
Hinter ihm steht Urs, der Bär.
„Ich weiß zwar gar nicht, was das ist,
doch geb ich zu, dass ihr mehr wisst.“,
meint Ole und schaut Pietri an:
„Ob ich wohl einen haben kann?“

12 …
Pietri grübelt, der Eisbär auch.
Urs kratzt sich sogar am Bauch,
bis er laut die Lösung schreit:
„Die alte Hütte ist nicht weit!
Mensch hausten früher dort.“
Pietri ruft: „Ich kenn den Ort!
Da lohnt es sich mal nachzuschaun,
dann kannst du einen Schlitten baun.“

13 …
Ole weiß nicht, was ihn erwartet.
Der Vogel ist sofort gestartet
und fliegt dem Schneemann nun voraus:
„Sieh – dort drüben steht das Haus!“
Doch kein Haus gibt es zu seh´n,
Trümmer nur, die kaum noch steh´n.
„Wo soll hier ein Schlitten sein?“
Ole schaut recht ratlos drein.

14 …
„Du ständest hier wohl viele Stunden,
doch ich hab jetzt schon was gefunden.“
Stolz bläht Pietri die Brust und meint:
„Die Blechtür hier, geht wie es scheint.“
Ole streitet nicht, hat er doch Glück,
und schnell geht es zum Hügel zurück.
„Also rauf mit dir – halt dich gut fest!“,
Urs der Bär noch verlauten lässt.

15 …
Und hui – geht es hinunter im Nu,
die Eisbärkinder rufen ihm noch zu:
„Vorsicht, der große Haufen da drüben!“
Rumms! Da ist er schon stecken geblieben.
Nun liegt er da, Schnee in den Ohren,
und hat selbst Möhre und Topf verloren.
Ole ruft: „Seht her, was ich kann!“
und steckt die Karotte wieder an.

16 …
Alle lachen – Ole ist froh.
„So schön ist es wohl nirgendwo“,
denkt er sich und blickt nach oben.
Doch was ist das? Schwarz wird’s droben!
Schon schneit es heftig, Sturm kommt auf.
„Schnell!“, ruft Urs. „Den Hügel rauf!“
Sie klettern und stolpern in Eile.
„Gleich da – nur noch eine Weile!“

17 …
Den Ruf von Urs hört Ole kaum,
noch hält er seine Angs im Zaum.
Als Nette stolpert, ist´s nicht mehr weit,
er hebt sie auf. Nach kurzer Zeit
ist die Höhle endlich in Sicht.
„Schneestürme mag ich wirklich nicht!“,
ruft Ole laut und schaut Pietri an,
der kaum glaubt, was er hier sehen kann.

18 …
„Was tut denn ihr Frackträger hier?
Ist das nicht der Bären Revier?“,
fragt er die zwei Pinguine.
„Gestatten? Rolf und Gesine.
Wir wären am Südpol, ganz richtig,
doch heut ist das nicht mehr so wichtig.
Ein Jahr fast sind wir nun schon hier.
Falsch ausgesetzt wurden wir.“

19 …
„Ihr auch?! Da kann doch nicht sein!“
Ich bin also gar nicht allein!“,
ruft Ole und lauscht den Geschichten,
die Rolf und Gesine berichten.
Die Zeit vergeht – ach, bitterkalt,
wird den Pinguinen bald.
Auch haben sie große Sorgen,
denn ihr Ei liegt hier verborgen.

20 …
„Ein Ei? Was ist das?“, fragt Ole
und in seinen Augen aus Kohle
blitzt große Neugierde auf.
Gesine antwortet drauf:
„In dem Ei steckt unser Kind,
doch eisig pfeift hier der Wind.
Wir müssen das Ei behüten …
Viel Wärme braucht es zum Brüten.“

21 …
Ole staunt – nicht zum ersten Mal –
und entknotet den grünen Schal.
„Hier, für euch. Bitte wärmt euer Kind.
Ich weiß erst seit heut, was Freunde sind.“
Die Pinguine danken ihm sehr.
„Gut gemacht!“ brummt Urs, der Bär.
Ja sogar die Eisbärenkinder:
rufen laut: „Ein super Winter!“

22 …
Doch der Sturm, er dauert lange.
Ist auch Ole nicht mehr bange,
eng und dunkel ist´s hier schon.
Da! – Ein Knacken! – Welch ein Ton!
Aufregung, Schnattern, Flitzen …
Keiner bleibt ruhig mehr sitzen,
denn das Küken – eins, zwei, drei –
schlüpft gerade aus dem Ei.

23 …
„Unser Kleines ist endlich da!“,
ruft die Pinguin-Mama.
„Ein Wunder!“, Ole nur denkt
und gerührt die Augen senkt.
Ben und Nette sind ganz leise,
Pietri zwitschert eine Weise,
selbst der Himmel – schwarz und grau –
wird mit einem Male blau.

24 …
Endlich ist der Sturm vorbei!
Alle wagen sich ins Frei´.
Welch ein Leuchten, welch ein Glüh´n,
hoch am Himmel rot, blau, grün:
Stumm bestaunen sie die Nacht,
Urs der Bär, nun leise lacht:
„Ich frage mich, ob ihr wohl wisst,
dass heute Heilig Abend ist?“

Katrin Kutsche (November 2011)
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