Drei Last-Minute-Weihnachtsgedichte

Letztes Jahr begann einer meiner Cousins, nur Minuten vor der Bescherung an Heiligabend hektisch im Internet nach kurzen Weihnachtsgedichten zu suchen. Knecht Ruprecht stand quasi bereits vor der Tür und drohte mit der Rute! Gar keine schlechte Idee also, etwas Passendes in petto zu haben. Hier nun drei kleine Vorschläge für all jene, die mal wieder vergessen haben, sich in angemessener Weise auf den Besuch des Weihnachtsmannes vorzubereiten.

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Vermöbelt

„Mädels, seid ihr für mich da?
Möbel schleppen?“ – „Aber ja!
Leichte Übung! Kein Problem.
Zusammen wird das sicher geh´n.“

Dann steh´n wir dort mit leichtem Frust.
„5. Stock? Echt?! – Keine Lust.“
Doch versprochen ist versprochen.
Schließlich sind wir harte Knochen.

Allein die Schrankwand hat vier Teile
und das dauert eine Weile.
Zunächst die Türen raus geschraubt.
Gaaaaah! Verdammt! Wie das hier staubt!

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Dirty Crashing – Kopfkino im Supermarkt

Während ich eine Wassermelone durch den Supermarkt trug, konnte ich es in aller Detailliertheit förmlich vor mir sehen: im Radio laufen die ersten Takte von „The Time Of My Life“. Schmachtend schaue ich meinem Tanzpartner in die Augen und werfe leidenschaftlich meine Einkäufe von mir. Melone und Tomaten zerplatzen im Gang, die Kartoffeln rollen verloren über den Boden, die Gurke schlägt einen Mann bewusstlos und das Brot landet mit matschendem Geräusch in den Trauben.

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Wir shoppen.

„Darling. Schau: das Oberteil.
Ist es nicht echt affengeil?“
fragt meine Freundin und ich nicke,
womit ich sie gleich sehr entzücke.
„Los. Da geh‘n wir morgen rein.
Ein wenig shoppen wär´ doch fein!“

Gesagt. Getan. Ab zur Boutique.
Die Größe stimmt – ach, welch ein Glück.
Sie zieht sich aus, dann wieder an …
Steht ihr das Teil? Sie fragt den Mann.
Per Smartphone wird ein Bild versandt.
Schon wird ihr Auge neu gebannt.

„Wir shoppen schließlich!“ sagt ihr Blick.
Ich trete einen Schritt zurück.
Sie macht mir Angst, ich schau mich um.
„Hm. Dieses Kleid ist gar nicht dumm“,
find ich sofort und nehm´s vom Ständer,
wie noch drei weitere Gewänder.
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Blindlings

Heut wollte ich nur in die Stadt,
um Bastelkram zu kaufen.
Auf einmal sah man mich jedoch
fast blind im Kreise laufen.

Ein Tick war schuld, ein kleiner Griff,
mir selber einerlei.
Der Brille passte das halt nicht.
Sie brach spontan entzwei.

Die Einzelteile in der Hand
stand ich verdattert da.
Ich bat um Hilfe und Ersatz
im Laden, der ganz nah.

Oh Hörgeräte-Superkleber –
bitte mach´ nicht schlapp!
Die neue Brille hol´ ich wohl
erst in acht Tagen ab.

Katrin Kutsche (Januar 2016)