Warten auf die Feder

So viele Seiten soll´n sich füllen,
mit meinen Worten, nach meinem Willen.
Sie warten, diese weißen Seelen,
auf meine Feder, sie zu quälen,
zu kratzen, reißen, zu beflecken …
und können sich nicht mal verstecken.

Denn dieses Buch hier hält sie fest,
sein Einband sie nicht gehen lasst.
Ich werd sie nach und nach beschreiben,
damit die Blätter Blüten treiben
und hoffen, dass nach all dem Schuften
die Tinten-Blüten lieblich duften.

Katrin Kutsche (April 2006, angepasst Oktober 2015)

Verdammt krümelig!

Eines Tages – die Tine war blau –
kam sie an ´ner Tonne vorbei.
Plötzlich erschallte es: „Tinööööö! Schau!
Hier ist noch ein Platz für dich frei!“

Und der Deckel, er hob sich,
der Müll, der verschob sich,
und raus kam ein grünes Ding.
Es stank und es guckte,
es schielte und spuckte,
und fing dann noch an zu sing´n:

Weiterlesen „Verdammt krümelig!“

Topf und Tiegel in vier Teilen

Erster Teil:   
„Im Bad brauchst du ´ne Ewigkeit.
Wir müssen endlich los!
Ich bin das Warten wirklich leid.
Wie eitel bist du bloß?!“,
der Gatte voller Ungeduld
zu seiner Dame sagte.
Sie gab ihm Recht und fühlte Schuld,
sein Vorwurf an ihr nagte.
Noch auf der Party schmähte er
der Frauen Eitelkeit.
Die Männer lachten alle sehr,
den Frauen ging´s zu weit.
Doch eine übte sich in List
und rief erstaunt ihm zu:
„Wie stark ergraut dein Haar schon ist!“
Das ließ ihm keine Ruh.
Er ging ins Bad, blieb lange weg,
besah sein Haar im Spiegel,
bis seine Frau ihn dort entdeckt´:
„Der Topf spricht über´n Tiegel …“
Weiterlesen „Topf und Tiegel in vier Teilen“